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2017 – ein besonderer Jahrgang für das Weingut Erich Meier

Am 21. April 2017 zerstörte ein Kälteeinbruch in Uetikon am See auf 6.8 Hektaren fast den gesamten ersten Austrieb. Erich Meier macht aus der Not eine Tugend und keltert den 2017er-Jahrgang für einmal auch mit Trauben aus dem Südtirol.

Die Natur machte Ihnen 2017 einen gewaltigen Strich durch die Rechnung – was ist passiert?
Wegen dem warmen Frühling waren die Reben in der Entwicklung schon weit fortgeschritten. Dann brachte eine Kältefront am 21. April einen Schneesturm und Biswind – die Temperaturen fielen bis auf minus zwei Grad. Die Nässe und die Kälte gleich darauf haben den ersten Austrieb zerstört – am anderen Morgen war alles braun. Insgesamt haben wir einen Schaden von 80 bis 90%. Nur zwei geschützte Lagen – Pinot Noir Kirche und Schönfels Räuschling – haben den Frost unbeschadet überstanden.

«Insgesamt haben wir einen Schaden von 80 bis 90%.»

Was können Sie als Winzer in einem solchen Moment tun?
Bei einem solch extremen Wetterereignis sind wir hilflos. Wir versuchten noch die Reben mit Feuern zu schützen, aber auch das hat nichts mehr genützt. Wir mussten die Stöcke neu aufbauen und jeden einzelnen Stock in drei separaten Durchgängen wieder «zurechtpäppeln». Dank dem hervorragenden Sommer und viel Pflege war der zweite Austrieb gut und brachte immerhin wieder zwischen 10 und 20%, je nach Sorte. Das ist aber viel zu wenig, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Sie haben also trotz Ausfall nicht weniger Arbeit dieses Jahr?
Im Gegenteil. Wir haben über die ganze Vegetationszeit sogar viel mehr Arbeit geleistet – für einen Bruchteil der Ernte. Auch das Schneiden der betroffenen Reben im Winter 2017/2018 wird viel aufwändiger und sogar im nächsten Jahr wird die Ernte noch durch diesen Ausfall beeinträchtigt sein.

Haben Sie eine solche Situation schon einmal erlebt?
Ja, am 18. August 2004 hatten wir einen Totalausfall durch Hagelschlag. Damals standen wir aber noch am Anfang: Wir hatten «nur» 4.2 Hektaren Reben und unsere Kundenbasis war viel kleiner.

Weshalb haben Sie beschlossen, Trauben zuzukaufen?
Wir standen vor der Frage, 2017 praktisch keinen Wein anzubieten oder Trauben zuzukaufen. Wir haben uns entschieden, unsere Kunden nicht im Stich zu lassen und dieses Jahr mit erstklassigem zugekauftem Traubengut zu arbeiten. Doch auch mit dem Zukauf und den eigenen noch verfügbaren Trauben werden wir insgesamt nur auf 35% der gewohnten Menge kommen.

Gab es denn in der Schweiz keine Trauben mehr zu kaufen?
Wir haben uns bemüht, Trauben in der Schweiz zu finden. Es war bereits abgemacht, dass wir Trauben von einem befreundeten Winzer im Thurgau bekommen. Doch am 1. August wurden seine Reben durch einen Hagelsturm komplett zerstört. Danach war es auf dem Schweizer Markt unmöglich, noch qualitativ hochwertiges Traubengut zu kaufen.

Woher stammen die Trauben für den 2017er?
Die Trauben kommen aus dem Südtirol, wo wir durch einen glücklichen Zufall einen hervorragenden Produzenten fanden. Ich habe das Weingut selbst mehrmals besucht, um mir alles anzuschauen, die Kellerbücher persönlich zu prüfen und Weine aus den verschiedenen Lagen zu degustieren. So hatte ich die Gewissheit, dass alles meinen Qualitätsanspruch erfüllt. Wir sind sehr dankbar, dass wir diese Trauben bekommen, denn auch in Italien wird es dieses Jahr ein Drittel weniger Wein geben.

Sie stellen in Uetikon sukzessive auf biologischen Anbau um – wie steht es mit den zugekauften Trauben?
Die Trauben aus dem Südtirol werden jetzt schon biologisch angebaut. Damit ist uns unser Partner noch ein wenig voraus. Das Traubengut ist erstklassig und entspricht von der Qualität her unseren Zürichsee-Trauben – darauf habe ich persönlich geachtet.

Wie kommen die Trauben in Ihren Keller?
Wichtig ist das Wort «Trauben». Denn geliefert wird nicht etwa Traubensaft, sondern frisch geerntetes komplettes Traubengut, das wir hier bei uns in Uetikon am See verarbeiten. Die Trauben sind acht Stunden in Kühllastwagen unterwegs und werden in 200kg-Boxen direkt bei uns angeliefert.

Was ist das für ein Gefühl, mit «fremden» Trauben zu arbeiten?
Am liebsten arbeite ich natürlich mit meinen eigenen Trauben. Ich bin stolz auf unsere Reben hier am Zürichsee und habe gerne alles unter Kontrolle. Aber wir arbeiten mit der Natur und dieses Jahr ist halt für einmal alles anders. Ich nehme die Situation als persönliche Herausforderung. Wichtig ist mir vor allem, Transparenz zu schaffen. Wir stehen zu unserer Entscheidung, einen 2017er zu produzieren. Und unsere Kunden sollen auch auf der Flasche klar sehen, welche Weine wir mit Trauben aus dem Südtirol gekeltert haben.

«Am liebsten arbeite ich natürlich mit meinen eigenen Trauben.»

Konkret: Welche Weine werden mit Trauben aus dem Südtirol, welche mit eigenen Trauben produziert?
Pinot Noir Barrique, Riesling, Räuschling, Sauvignon Blanc und Viognier werden wir auch dieses Jahr ausschliesslich mit eigenen Trauben keltern. Den Plural, Pinot Noir, Pinot Gris, Chardonnay und den Müller-Thurgau werden wir aus eigenem Traubengut und Südtiroler Trauben assemblieren. Einen reinen Südtiroler wird es nicht geben.

Wird Ihre fast 20-jährige önologische Erfahrung dieses Jahr noch wichtiger?
Die Arbeit im Keller, das Pressen, die Spontanvergärung, der Ausbau – alle diese Elemente sind für mich jedes Jahr wichtig. Entscheidend für einen erstklassigen Wein ist immer, dass das Traubengut erstklassig ist. Und das ist zum Glück auch dieses Jahr gegeben.

«Wir produzieren Jahrgangsweine – jeder ist anders und einzigartig.»

Wird der 2017er trotzdem ein Erich Meier Wein?
Das Traubengut aus dem Südtirol ist von der Qualität her so gut wie unser eigenes, das «Terroir» ist anders, keine Frage. Doch auch unsere eigenen Trauben sind von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Wir produzieren Jahrgangsweine und jeder unserer Jahrgänge ist wieder anders und einzigartig.
 
Das Weingut Erich Meier steht für Weine mit Charakter – und 2017 wird der Charakter auch vom Südtirol geprägt sein. Wir sind gespannt auf die Rückmeldungen unserer Kunden. Und natürlich bin ich auch selber gespannt auf die ersten Fassproben.

 

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